Ch. 35: i) Psellos.
i) Psellos. ****
PSELLOS (Michael Constantinos), der 1018–1078 in Konstantinopel lebte, daselbst Lehrer der Theologie und Philosophie, vermutlich auch beamteter Priester war, und vielerlei schriftstellerische Arbeiten verfaßte, richtete u. A., auf eine Anfrage des Patriarchen XIPHILINOS hin, an diesen einen Brief über die Goldmacherei (Chrysopoiía), in dem er sich als wohlvertraut mit der überlieferten Literatur zeigt, nirgends aber, wie man irrtümlicherweise behauptet hat, auf eigene alchemistische Tätigkeit anspielt[1224]. Dafür, daß die späteren Byzantiner solche ausübten, fehlen überhaupt noch entsprechende Nachweise, und die sehr dürftigen Notizen einiger Lexikographen (auf die weiter unten noch zurückzukommen sein wird) zeugen eher gegen, als für diese Behauptung. Der Brief des PSELLOS, der für die Verbreitung alchemistischer Ideen im westlichen Europa zur Zeit der beginnenden Renaissance von Bedeutung war, führt die Herstellung des Goldes teils auf die Behandlung, des „ψάμμος χρυσίτης (goldfarbigen Sandes) der Ufer“ zurück, teils auf die Anwendung der von den Alten, namentlich von DEMOKRITOS, beschriebenen Verfahren, an deren Vortrefflichkeit und Untrüglichkeit PSELLOS offenbar fest glaubt, deren Schilderung aber durch seine Darlegungen nicht an Deutlichkeit gewinnt; eine lateinische, ziemlich willkürliche und nicht ganz vollständige Übersetzung des Briefes veröffentlichte zuerst 1573 PIZZIMENTI als 5. Teil seines wiederholt erwähnten Werkes.
Eine Anzahl inhaltsarmer alchemistischer Verse, die früher Einige dem berühmten JOHANNES DAMASKENOS (700–754), Andere dem PSELLOS zuschrieben, gehört keinem dieser Autoren an, ist vielmehr vermutlich von PHILIPPOS SOLITARIOS verfaßt, einem byzantinischen Mönche, der um das Jahr 1100 lebte[1225].