Ch. 32: f) Kosmas.
f) Kosmas. ****
Diesen Schriftsteller halten nach KOPPS Bericht Einige für vermutlich noch dem 7. Jahrhundert angehörig[1202], aller Wahrscheinlichkeit nach aber mit Unrecht; zum mindesten zeigen seine Werke, so wie sie jetzt vorliegen[1203], die wohlbekannte Beschaffenheit der späteren byzantinischen Kompendien, d. H. Sie stellen, ohne viel sachliches Verständnis, allerlei Auszüge aus ZOSIMOS und anderen Förderern der Chemie (χυμία)[1204] zusammen, knüpfen daran leere und hinfällige Betrachtungen, die das stete Sinken des wissenschaftlichen Geistes deutlich ersehen lassen, und geben sich nicht einmal äußerlich mehr den Anschein, nach Form und Inhalt irgend einem deutlichen und bestimmten Ziele zuzustreben. Auf späte Einschiebungen deutet auch das Vorkommen verschiedener Bezeichnungen hin, die entweder wie σαλόνιτρον[1205] (Salónitron = Salpeter) und τζαπάρικον[1206] (Tzapárikon = Salmiak, ursprünglich = Soda, Nitron) Chemikalien betreffen, die den Byzantinern vor dem 13. Jahrhundert kaum näher bekannt waren, oder die [was sehr charakteristisch ist!] aus lateinischen Worten umgebildet sind, wie ῥασούχθη aus „aeramen ustum“ (dem „gebrannten Kupfer“ des DIOSKURIDES)[1207], oder das eben genannte σαλόνιτρον aus „sal nitrum“.
Grundlage der Metallverwandlung, die nur angestrengte Arbeit, nicht irgendwelchen Aufwand erfordert, ist auch nach KOSMAS die Magnesia, so genannt nach dem Mischen und Legieren der Bestandteile, denn sie ist ein bleihaltiges Gemenge (σύγκρασις), eine Vereinigung der Substanzen (synousiôsis), die reine und einzig verehrungswürdige „Weiße“ (μόνη σεβασμία λευκότης), das weibliche Prinzip, der etesische Stein (λίθος αἰτήσιος), der Molybdochalkos des DEMOKRITOS und OLYMPIODOROS[1208]; auf sie beziehen sich die Worte „wenn nicht 1 zu 3 würde und 3 zu 1, so wäre das All (τὸ πᾶν) ein Nichts (οὐδέν)“[1209]. Man unterwirft die Magnesia erst „zwecks Einwirkung des Flüssigen“ der Taricheia[1210] und setzt sie sodann dem zu Fixierenden aus[1211], und zwar im „Ei der Philosophen“, — das hier als ein chemischer Apparat auftritt —, bis sich nach 120tägiger Behandlung im Pferdedünger die Seele (ψυχή, Psyche) zu entwickeln beginnt[1212]. Als Xerion dient Quecksilber [hier = Arsen], das man zwischen zwei flachen mit Ton und Eiweiß verkitteten Schüsseln sorgfältig sublimiert hat[1213]; so erhält man aus dem Kupfer das Silber, „diese σεληναία ὕλη“ (dem Mond zugehörige Substanz), und weiterhin aus diesem das Gold[1214].