Ch. 31: d) Philosophus Anonymus (Anepigraphos).
d) Philosophus Anonymus (Anepigraphos). ****
Dieser byzantinische Sammler ist, da er den STEPHANOS zitiert, für jünger anzusehen als der PHILOSOPHUS CHRISTIANUS, der STEPHANOS nicht oder nur an später Einschiebung verdächtigen Stellen nennt, und wird von BERTHELOT in das 7. Jahrhundert versetzt[1191], von KOPP in das 8. [1192]. Betreff seiner Abhandlung gilt das nämliche wie hinsichtlich derer des PHILOSOPHUS CHRISTIANUS, einige Hinweise werden daher auch hier genügen.
Die genauen und sicheren Vorschriften zur Ausführung des großen Werkes gaben die ökumenischen Philosophen und Kommentatoren des PLATON und ARISTOTELES, von HERMES angefangen bis auf den großen OLYMPIODOROS und STEPHANOS[1193], am gründlichsten aber DEMOKRITOS; die Lehren seiner vier Bücher sind vergleichbar den vier Haupt- oder authentischen Tonarten der Musiker, während die Mißerfolge und Fehlschläge (νεκρώσεις = Tötungen, Absterben) den Dissonanzen und plagalen Schlüssen parallel gehen[1194]. Wesentliche Grundlage des großen Werkes ist das Blei, das „etesische Metall“ von an sich kalter Natur, das aber in der Wärme leicht flüssig wird, sich mit anderen Körpern vereinigt und so die Schmelze ergibt, die, nach den Worten μῖξις und μίγνυμι (Mischung, mischen), auch „Magnesia“ genannt wird[1195]; weil die Wärme diese Mischung (σύνθημα) „ausbrütet“, heißt sie „Ei der Philosophen“, auch besitzt sie die vier Teile, die nach dem Philosophen XENOKRATES das Ei aufweisen muß, nämlich Schale, Eihaut, Eiweiß und Eigelb[1196]; das Produkt des großen Werkes bezeichnet man demgemäß als ὕλη ὀρνιθογονία = das Vogel-Entsprossene, und das im Laufe der Arbeit aufsteigende Sublimat als ὄρνις = Vogel, denn als die „Eier“ dieses „Vögelchens“ sind eben die seine Entwicklung (γέννησις τοῦ ὀρνιθίου) ermöglichenden Bestandteile anzusehen[1197]. Man reinigt diese erst durch Taricheia und dann durch Waschen, wobei darauf zu achten ist, daß schließlich so wie beim Waschen des Leinenzeugs, der Schaum (τὰ σκάμματα) völlig klar abläuft[1198]; die nötigen Sublimationen geschehen im δίπλωμα (Díploma = Wasser- oder Aschen-Bad), in passenden Gefäßen, oder auch in geraden, teils einfachen teils mehrfachen [in- oder übereinander gestellten] Rohren[1199]; die schließliche Umwandlung erfolgt durch Projektion (ἐπιβάλλειν)[1200].