Ch. 21: b) Afrikanos.
b) Afrikanos. ****
AFRIKANOS, der sich als den hochberühmten „alten“ Meistern zugehörig, an verschiedenen Stellen der einschlägigen Verzeichnisse aufgeführt findet[808], ist aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit SEXTUS JULIUS AFRICANUS, der bald nach Beginn des 3. Jahrhunderts Bischof von Emmaus war[809], von dort aus wiederholte Missionsreisen u. A. Nach Edessa, Alexandria und Rom unternahm[810] und 232 als Bischof von Nikopolis starb; außer einer mit dem Jahre 220/221 abschließenden „Chronographie“[811] verfaßte er hauptsächlich noch ein dem Kaiser SEVERUS ALEXANDER (222–234) gewidmetes, gelehrtes und weitläufiges Sammelwerk „Kestoi“, dessen Titel auf den bei HOMER erwähnten reizverleihenden Gürtel der APHRODITE anspielt. Wir kennen dieses Buch nur in völlig entstellter Form, durchsetzt von zahlreichen, zum Teil um mehr als ein halbes Jahrtausend jüngeren Einschiebseln, zu denen u. A. Auch einige Angaben gehören dürften, gewisse schwefel-, erdöl-, und ätzkalkhaltige Zündsätze betreffend, die sich in Berührung mit Wasser von selbst entflammen, durch Essig aber gelöscht werden können[812]; seinem alten Bestande nach enthält das Werk, wie KOPP versichert, nichts von alchemistischem, ja kaum irgendetwas von chemischem Interesse[813]. AFRIKANOS schrieb aber, neben zahlreichen sonstigen Abhandlungen, deren Gegenstände u. A. Medizin, Physik und Ackerbau waren, auch eine, die von späteren Autoren unter dem Titel δυνάμεις χυμευτικῶν, „Kräfte chemischer Präparate“, angeführt wird[814], und auf diese, deren Text verloren gegangen ist, beziehen sich offenbar die Zitate einiger Schriftsteller[815]; sie betreffen das Färben der Metalle durch allerlei βοτάναι [Botánai = pflanzliche und mineralische Zusätze][816], das Weißen des Kupfers mittels Auripigment und kappadozischem Salz[817], sowie die Sublimation der Arsenigsäure in einem geschlossenen Glasgefäße eigener Konstruktion[818] und sind also, ebenso wie die wenigen flüchtigen Angaben im „Stockholmer Papyrus“, viel zu spärlich, um ein Urteil über den angeblich so hohen Ruf des Autors zu ermöglichen.
Daß dieser durchaus vom abergläubischen Geiste seiner Zeit erfüllt war, beweisen einige Zitate in den als „Geopónika“ bekannten, spätgriechischen landwirtschaftlichen Schriften, deren uns vorliegende Redaktion etwa aus dem 9. Jahrhundert herrührt[819]; so z. B. Bewahrt man Wein vor dem Umschlagen, indem man auf die Fässer den 9. Vers des 34. Psalms schreibt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“[820].
Einer alten Überlieferung gemäß soll AFRIKANOS das „heilige Buch des CHEOPS“ besessen und diesem seine Weisheit entlehnt haben[821].