Chapter 20.00: a) Papyrus Kenyon.
Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange
By Author ujjwala) Papyrus Kenyon. ****
In dem 1893 zu London veröffentlichten „PAPYRUS KENYON“[787],
der laut Urteil der Sachkenner im 3. Jahrhundert n. Chr.
Niedergeschrieben ist, finden sich eine Anzahl Rezepte magischen und
mystischen Inhaltes vor[788], die beredtes Zeugnis für die weite
Verbreitung ablegen, deren sich Ideen dieser Art zur erwähnten Zeit
erfreuten. — Bei magischen Handlungen z. B. Sind Tafeln und Blättchen
dienlich, bestehend aus den sechs Metallen[789], — für die nach
BERTHELOT[790] auch den „Königen“ des ZOSIMOS (s.
Unten) verwandte Abbildungen vorkommen sollen (?) —, und erinnernd
an die λεπίς ἡλιακή (die sonnigen = goldigen Flitter) der 1893 von
WESSELY bekanntgemachten, ungefähr dem nämlichen Zeitalter
entstammenden Zauberpapyri[791]; als siebentes Metall wird Quecksilber
nicht direkt genannt, doch verbirgt es sich wohl unter dem Decknamen
„Lorbeerblätter“, den auch das sog. „Orakel des Apollon“[792] als
Bezeichnung für Zinnober oder dessen „Dunst“ anzuführen scheint,
während in den eben genannten Zauberpapyri der Zinnober ἀιθάλη
δάφνης, Dunst des Lorbeers, heißt[793]. Von Mennige ist die Rede als
vom „Blut der Tauben und Krähen“[794]; erwähnt wird ferner Stimmi
[Schwefelantimon] aus Koptos, Schwefelarsen, ammonisches Steinsalz,
„Smaragd“ und „Kallais“ [beide als grüne, zur Herstellung von
Vasen dienende Gesteine, hier vermutlich Malachit und ein anderes,
möglicherweise ebenfalls kupferhaltiges Mineral][795] und vielleicht
auch Alaun[796], da das Zeichen eines achteckigen Sternes ❋ bei
KLEOPATRA diesen (στυπτηρία) bedeutet[797].
Unter den mystischen Autoren führt der Papyrus Kenyon auch
HOMER an[798], und zwar neben ORPHEUS,
PYTHAGORAS, MOSES und DEMOKRITOS; dem
letzteren wird ein bewährtes Rezept zum Fälschen von Münzmetall
beigelegt[799].
Schon weiter oben wurde darauf hingewiesen, daß auch einzelne
nicht zum Hauptstücke X gehörige Bestandteile des „LEIDENER
PAPYRUS“ verwandte Angaben enthalten: sie sprechen von einem
magischen Ringe mit der sich in den Schweif beißenden Schlange und
dem Zauberwort ABRAXAS (dessen griechische Buchstaben, ihrem
Zahlenwerte nach, die Summe 365 ergeben), von den mystischen Zahlen
10, 4 und 7[800], von der Rolle des siebenmaligen Lachens[801], von
der „Sphäre des DEMOKRITOS“ [einer iatrochemischen Tabelle
zur Voraussagung des Verlaufes von Krankheiten][802], aber auch
vom Reinigen des Goldes durch eine Art Zementation[803], von einer
Tinte aus Eisensalzen und Galläpfeln[804], von ammonischem Salz,
Aphroselinon, Magnesia und Magnetstein[805], von ποίησις (Poíesis) und
μᾶζα (Máza)[806], von allerlei Decknamen mineralischer und pflanzlicher
Stoffe[807], usf.
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