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Novel HomeCh. 15 · e) Ostanes.
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Ch. 15: e) Ostanes.

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e) Ostanes. ****

OSTANES, den HERODOT als Schwager des XERXES und als dessen Begleiter auf dem griechischen Feldzuge nennt⁠[719], kam während der Folgezeit aus unbekannten Gründen schon früh in den Ruf eines hervorragenden persischen Magiers⁠[720], gilt zur Zeit der letzten Ptolemäer als identisch mit HERMES-THOT ⁠[721] und wird bereits von PLINIUS als großer Zauberer, als erster Verfasser magischer Abhandlungen und als Lehrer des DEMOKRITOS angeführt⁠[722]; in gleichem Sinne findet er sich auch bei den hellenistischen Alchemisten erwähnt, ferner bei den Kirchenschriftstellern von ORIGENES bis auf AUGUSTINUS, in vielen Papyrus-Urkunden und im „Fihrist“⁠[723].

Nach SYNESIOS (um 400) schrieb OSTANES ein chemisches Werk in vier Büchern, das aber nicht „die Methoden Ägyptens“ darlegte, sondern die Persiens, deren sich nach ZOSIMOS auch ZOROASTER und SOPHAR bedienten, welcher letztere aber bei verschiedenen Autoren bald einfach „SOPHAR der Perser“ heißt, bald „SOPHAR, König von Persien“, bald wieder „SOPHAR, König von Ägypten“⁠[724]. PIBÊCHIOS, der im 4. Jahrhundert lebte, meldet, daß jenes Werk den Titel „Krone“ geführt habe, und SYNESIOS versichert, daß in ihm zuerst OSTANES die berühmte Lehre ausgesprochen habe „Die Natur freut sich über die Natur, die Natur siegt über die Natur, die Natur herrscht über die Natur“⁠[725]. Wie indessen aus den um 350 n. Chr. Verfaßten „Büchern der Astronomie“ (richtiger Astrologie) des JULIUS FIRMICUS MATERNUS hervorgeht⁠[726], ist das Prinzip „una natura ab alia vincitur“ (eine Natur wird von der anderen besiegt) bereits in den (aus dem 2. Vorchristlichen Jahrhundert herrührenden) sog. „Astrologúmena“ (= Sternverkündigungen) zu finden, als deren Verfasser schon zur Kaiserzeit (bei PLINIUS, JUVENAL und vielen anderen) zwei völlig mythische Gestalten ausgegeben werden, ein ägyptischer König NECHEPSO und ein ägyptischer Astronom und Priester PETOSIRIS (äg. = „Geschenk des Osiris“, Osiridor); der Satz lautet daselbst⁠[727] „una natura ab altera vincitur, unusque deus ab altero“ (eine Natur wird von der anderen besiegt, ein Gott vom anderen), steht in rein astrologischem, die Sternbilder, ihre Natur, ihre Einflüsse und ihre sog. Dekane betreffenden Zusammenhange, und trägt also ursprünglich keinerlei alchemistischen Charakter.

Über des OSTANES „Gespräche mit KLEOPATRA“ ist nichts, über einen „Adler“ betitelten Traktat nur soviel bekannt, daß er das große Werk beschrieb und dessen Dauer auf ein Jahr angab⁠[728]. Dem nur in sehr entstellter und dunkler Form überlieferten „Schreiben des OSTANES an PETESIS“ (äg. = „Geschenk der Isis“, Isidor), ist zu entnehmen, daß OSTANES das „göttliche Wasser“ durch siebenmalige Destillation in einem gläsernen Ambix darstellte⁠[729]; erst steigt es nach oben (ἄνω, áno) auf, dann aber sinkt es nach unten (κάτω, káto) in die finsteren Tiefen des Hades, wo es, als „Pharmakon des Lebens“, die Toten (τὰ νεκρά) erweckt und auferstehen macht⁠[730]; mit göttlicher Hilfe und entgegen dem Neide der Dämonen, die man durch magische Beschwörungen (δαιμονοκλησίαι) austreibt⁠[731], färben einige Tropfen dieses göttlichen Wassers Kupfer zu Gold, sie heilen alle Krankheiten, auch „die große Krankheit der Armut“, und erwecken selbst die Toten⁠[732].

Wie die syrischen Manuskripte berichten, ordnete OSTANES, als er sein Ende herannahen fühlte, alle seine Schriften auf das Genaueste und verbot, irgendetwas an ihnen zu ändern, sie anderen als Reinen und Würdigen mitzuteilen, oder ihre Geheimnisse deutlicher zu enthüllen; diese hatte er so sorgfältig verborgen „wie die Pupille seines Auges“, er empfahl daher auch seinen Schülern, die Götter vor Beginn des großen Werkes um ein reines Herz und um „Einsicht in die Pupille der Augen“ anzuflehen⁠[733]. — Auf die Bedeutung dieses Ausdruckes, den noch die späteren Araber als „Geheimnamen der Alten für das Verfahren der Transmutation“ kannten⁠[734], wird weiter unten zurückzukommen sein.

Das sog. „Buch des OSTANES“, das u. A. Im arabischen Manuskripte Nr. 972 der Pariser Bibliothek vorliegt, erweist sich als Unterschiebung aus jüngerer arabischer Zeit, da es neben mystischen Deklamationen und Visionen auch Auszüge enthält, die dem als „Continens“ bekannten Werke des Arztes AL-RAZI (10. Jahrhundert) entnommen sein sollen⁠[735].

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