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Ch. 13: c) Isis.

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c) Isis. ****

Unter dem Namen eines „Schreibens der ISIS an HOROS über die heilige Kunst“ (περὶ ἱερᾶς τέχνης) geben die alchemistischen Sammlungen in ziemlich abweichenden Fassungen den Text eines Briefes wieder, den ISIS, die sie als Göttin, Königin von Ägypten, oder Prophetin (= Priesterin) bezeichnen, an ihren Sohn HOROS gerichtet habe⁠[698]; selbst der gutgläubige BORRICHIUS (um 1650) wagte, seine Echtheit zu bezweifeln, CHEVREUL (1845) erklärte ihn sogar für eine bloße Satire⁠[699], in Wirklichkeit reiht er sich aber den sonstigen Apokryphen und Pseudepigraphen des Zeitalters als völlig gleichartig an und läßt nichts von jenem besonderen „alchemistischen Geheimsinne“ merken, dessen noch BERTHELOT Erwähnung tut⁠[700]. Die Art der Einkleidung ist mit unleugbarem Geschicke gewählt und durchgeführt, denn die Mitteilung der Lehren und Geheimnisse von Mund zu Mund, durch den Gott an den Priester, den Vater an den Sohn, usf., entspricht einer altägyptischen Tradition; auch derartige Gespräche gerade zwischen ISIS und HOROS waren schon in sehr entlegener Zeit bekannt, z. B. Eines, in dem die Göttin meldet, „daß es ihr erlaubt sei, dem eigenen Kinde mitzuteilen den Namen des Gottes RÊ“, nämlich jenen „geheimen und wahren Namen“, dessen Kenntnis furchtbare Macht verleiht (den man aber natürlich schließlich doch nicht erfährt!)⁠[701].

Was den Inhalt des „Schreibens“ betrifft, so erzählt ISIS dem HOROS, der sich auf die Suche des SETH (Typhon), des Mörders seines Vaters OSIRIS, begeben hatte, sie sei inzwischen nach Ormanuthi gegangen, — d. H., wie HOFFMANN angibt, nach ihrem berühmten Tempel zu Eumenuthi bei Kanopos⁠[702] —, „woselbst die heilige Kunst Ägyptens, ἡ ἱερὰ τέχνη τῆς Αιγύπτου, betrieben wird“⁠[703]; dort näherte sich ihr ein „Prophet“ (προφήτης = Priester) und „Engel des unteren Firmamentes“⁠[704] und suchte ihre höchste Gunst, als deren Preis sie Mitteilung des Transmutations-Geheimnisses verlangte; der Prophet erklärte, er selbst sei nicht berechtigt, dieses zu verraten, sandte ihr aber den „Obersten der Propheten“ (ἀρχιερεύς, Archiereús = Oberpriester) und „Engel des höchsten Firmamentes“ AMNAEL, mit dem sie des Handels einig wurde: als Lohn für ihre Hingebung lehrte er sie die Herstellung des Goldes und Silbers, nachdem er ihr vorher den Eid abgenommen hatte „daß sie darüber niemandem Mitteilung machen werde, als allein ihrem leiblichen Sohne“. Der in religionsgeschichtlicher Hinsicht nach Form und Inhalt bemerkenswerte Eid⁠[705], dessen Verwandtschaft mit anderen, bei STEPHANOS (als „Eid des PAPPOS“) und beim PHILOSOPHUS CHRISTIANUS überlieferten Schwüren⁠[706], unverkennbar ist, lautet: „Ich lasse Dich schwören bei Himmel und Erde, bei Licht und Dunkel; bei Feuer, Wasser, Luft und Erde; bei der Höhe des Himmels, der Tiefe der Erde und dem Abgrunde der Unterwelt; bei THOT und ANUBIS; beim Gebell des dreiköpfigen KERBEROS, des Hüters der Unterwelt; bei der Fähre des CHARON und bei CHARON dem Fährmann; bei den drei Göttinnen der Notwendigkeit, den Geißeln und dem Schwert: daß ich Niemandem das Geheimnis mitteilen werde als allein meinem Kinde und teuren Sohne, damit er Du sei, und Du er“ [d. H. Damit er zum Gott werde durch Empfang Deines göttlichen Wissens].

Was daraufhin AMNAEL der ISIS eröffnet oder vielmehr nur andeutet⁠[707], bewegt sich wesentlich im Geleise der demokritischen Lehren vom Fixieren des Quecksilbers durch Magnesia, Pyrit, Arsen, die Dämpfe der Kobathia, Schwefel u. Dgl., vom Weißen und Gilben durch Erteilen der richtigen Färbung mittels des Verwandlungs-Präparates oder „Pharmakons“, von der Diplosis usf.; nachdrücklich findet sich betont, daß jedes Ding von seinesgleichen erzeugt wird, der Mensch vom Menschen, der Löwe vom Löwen, das Getreide vom Samen des Getreides, und so auch das Gold vom Samen des Goldes: „die Natur freut sich über die Natur, usw. “

Mehrfach wird in dieser Abhandlung ISIS, die den Hellenisten für identisch mit SELENE gilt, auch mit dem Symbol des Mondes bezeichnet, das ihren Namen selbst geradezu vertritt⁠[708]: „HOROS, Sohn der “, „Vereinigung mit “, „Schreiben der “; diese von BERTHELOT besonders hervorgehobene Tatsache geht indessen bereits aus einer Anführung KOPPS hervor⁠[709].

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