Skip to Content
Novel HomeCh. 9 · b) Kleopatra, Komarios.
Share Chapter

Ch. 9: b) Kleopatra, Komarios.

Share Chapter

b) Kleopatra, Komarios. ****

Während von anderen Berufsgenossinnen der MARIA, z. B. Der THEOSEBEIA und PAPHNUTHIA, kaum mehr als die Namen überliefert sind, besitzen wir von KLEOPATRA noch Bruchstücke einiger, „Χρυσοποιία“ (Goldmacherei), „Heilige und göttliche Kunst der Philosophen“, „Über Maße und Gewichte“, betitelter Werke, die ihr aber zum Teil allerdings nur zugeschrieben werden, zudem auch in der vorliegenden Form, den magischen und den spät-gnostischen Anspielungen gemäß, unmöglich schon in jener Zeit abgefaßt sein können, zu der KLEOPATRA gelebt haben soll⁠[590]. Sie wird nämlich als etwa gleichaltrig mit MARIA bezeichnet, sehr oft (z. B. Auch im arabischen Verzeichnis des „Fihrist“, um 987) zusammen mit dieser genannt⁠[591] und von STEPHANOS (s. Unten) noch als Teilnehmerin eines Gespräches mit OSTANES angeführt⁠[592]; ihr Lehrer soll KOMARIOS gewesen sein. RENAN vermutet⁠[593], daß sie mit MARIA KLEOPHAS identifiziert wurde, die in den gnostischen Evangelien neben der hl. MARIA die hervorragendste Rolle spielt und seitens der Valentinianer (einer gnostischen Sekte) als „perfekt in der Gnosis“ bezeichnet wird, daher auch in der Magie und der dieser zugerechneten Chemie; in noch späterer Zeit erst scheint man sie mit einer ptolemäischen Königin KLEOPATRA zusammengeworfen zu haben, u. A. Mit der letzten unglücklichen Trägerin dieses Namens⁠[594].

Die sog. Abhandlung über „Maße und Gewichte“ besteht nach KOPP⁠[595] aus Fragmenten einer Schrift über allerlei kosmetische Mittel und enthält auch Angaben über die vorgeschriebenen Maße und Gewichte sowie deren Einteilungen und Verschiedenheiten, hingegen nichts eigentlich Chemisches.

Den Überresten der anderen Werke ist zu entnehmen, daß die Herstellung des golderzeugenden Pulvers große Schwierigkeiten bietet, sowohl an und für sich, als auch wegen der Hindernisse, die der „Neid der Dämonen“ (δαίμονες) und die Mißgunst der bösen Geister bereitet⁠[596]. Die Behandlungen im Dünger und Pferdekot (ἐν βολβίτοις), unter denen aber oft nur Erhaltung in gleichmäßiger Wärme zu verstehen ist, dauern 7, 21, und 40 Tage⁠[597]; das durch Macerieren, Erwärmen, Sublimieren usf. Zuerst gewonnene Präparat vergleicht KLEOPATRA einem im Grabe liegenden Toten, und befiehlt „Hebe auf den Toten (ἴσχε τὸν νεκρόν) aus dem ersten Grabe (πρῶτος τάφος), und begrabe (θάψον) ihn nochmals“; nun wird das Macerieren, Erwärmen, Sublimieren usf. In gleicher Weise siebenmal wiederholt, bis endlich das wahre Ergebnis der „philosophischen Kunst“ fertig aus dem letzten Grabe „gehoben“ werden kann⁠[598]. Projiziert man es auf 1000 Teile unedlen Metalles, ja nach anderen selbst auf eine Million Teile, εἰς χιλίας χιλίαδας, so verwandelt es diese in Gold⁠[599].

Die Digestions- und Destillations-Apparate der KLEOPATRA gleichen, soweit die von ZOSIMOS erhaltenen Zeichnungen ersehen lassen, völlig jenen der MARIA; die beigefügten Abbildungen der sich in den Schwanz beißenden Zauberschlange UROBÓROS, die, wie den endlosen Kreislauf des Weltganzen, so auch jenen der chemischen Stoffe bei der Destillation symbolisieren soll, sowie die mystischen Inschriften „ἕν τὸ πᾶν“ (Hen to pan: Eins in Allem; Alles in Einem) u. Dgl. Gehören wohl erst einer erheblich späteren Zeit an⁠[600].


Dem „Philosophen und Oberpriester“ KOMARIOS, dem oben erwähnten Lehrer der KLEOPATRA⁠[601], der sich selbst wieder auf OSTANES zu berufen liebt⁠[602], wird eine an KLEOPATRA gerichtete Abhandlung „Über die heilige Kunst und den Stein der Philosophen“ zugeschrieben, die jedoch nur in später, vielfach veränderter, durch mystische und gnostische Interpolationen entstellter, von Anspielungen auf Bibelsprüche, Wiederbelebung, Auferstehung, Fegefeuer usf. Erfüllter Fassung vorliegt⁠[603], auch nach Meinung einiger Autoren nur den Bericht eines Dritten über die dem KOMARIOS und der KLEOPATRA gemeinsamen Lehren wiedergibt⁠[604]; sie soll daher an dieser Stelle, im Anschlusse an die Schriften der KLEOPATRA, besprochen werden.

Das göttliche (θεῖον) Werk⁠[605] besteht in vier Operationen, der Schwärzung, Weißung, Gilbung und Rötung, begleitet und unterbrochen von zahlreichen Verreibungen, Waschungen, Macerationen und Schmelzungen, die man zum Teil in „Krügen aus Askalon“ vornimmt⁠[606]. Eine Hauptrolle spielen die Sublimationen und Destillationen, bei denen u. A. Das „Flüchtige (ὁ φεύγων), Giftige, sich auch mit Schwefel Verbindende“, [d. I. Das Quecksilber], sowie das durch Schmelzen und Rösten der „weiblichen“ σανδαράχη (Sandaráche) mit ägyptischem Nitron und anderen Substanzen entstehende „Männliche“ (ἀρσενικόν, Arsenikón), [d. I. Arsen oder Arsenigsäure], nach aufwärts schwebt⁠[607]; in diesen Stoffen, sowie in den Dämpfen der göttlichen Wässer (θεῖα ὕδατα), nehmen die Geister oder Pneumata körperliche Gestalt an⁠[608]; sie steigen als θεῖα μυστήρια [schweflige oder göttliche Mysterien], als οὐράνια σώματα (himmlische, himmelanstrebende Stoffe) nach oben (ἄνω, áno) und fallen von da aus wieder nach unten (κάτω, káto), „in die finstere Tiefe der Unterwelt, des Hades“ [d. H. Auf den Boden der Gefäße]⁠[609]. Dort begegnen sie den aus dunklen Rohmetallen bestehenden oder entstandenen Massen der „γῇ ἡμῶν τῇ αἰθιοπίδι“, „unserer Erde, der äthiopischen“ [d. H. Negergleichen, schwarzen]⁠[610], „den Toten“ (νεκροῖς), denen sie das „φάρμακον (Phármakon, Heilmittel) des Lebens“ zubringen und sie auferwecken⁠[611]: „die Toten werden wiederbelebt“ (θνητὰ ἐμψυχοῦνται)⁠[612], die Materien, aus denen das Pharmakon die „stinkenden und finsteren [d. H. Die Färbung hindernden] Teile austreibt“⁠[613], gelangen vom Tode zum Leben, von der Krankheit zur Gesundheit und ergeben durch ἀλλοίωσις (Alloíosis, Artverwandlung) und μεταβολή (Metabolé, Umwandlung) die rechten [d. H. Edlen] Metalle⁠[614]. Dies ist die „Erfüllung des Werkes“, die „Vollendung der Kunst“, τῆς τέχνης πλήρωμα (Pléroma): Männliches und Weibliches haben sich vereinigt und sind Eins geworden, denn „die Natur freut sich an der Natur, usw. “, und es ist ein Embryo entstanden; so wie aber durch die körperliche Wärme der Mutter die „Frucht ihres Leibes“ wächst und sich entwickelt, nachher zu richtiger Zeit geboren und schließlich mit der Milch des Mutterleibes ernährt wird, ganz so bringt auch der Philosoph die „Frucht seines Werkes“ durch die Wärme gelinden Feuers zur Reife und nährt sie mit den göttlichen Wässern⁠[615], d. H. Mit den Lösungen oder Schmelzen der Umwandlung bewirkenden Präparate, des λίθος τῆς φιλοσοφίας (Steines der Philosophie, der Weisheit), oder λίθος τῶν φιλοσόφων (Steines der Philosophen, der Weisen)⁠[616]. Aus den befruchtenden Samen (σπέρμα, Sperma) des Männlichen entwickeln sich Blüten (ἄνθη), Blumen und Pflanzen, und so wie solche aus ihren Keimen, so schießen aus der schwarzen äthiopischen Erde θεῖα σώματα „göttliche Substanzen“ empor, „köstliche Gesteine und Pflanzen“, aufsprießend aus ihrem „Grabe“ in der Unterwelt⁠[617]; denn die Vollbringung des Werkes gleicht durchaus der Entfaltung von Blumen und Pflanzen⁠[618].

Schließlich sei noch angeführt, daß der Namen des KOMARIOS vielleicht erst nachträglich in ganz willkürlicher Weise erfunden, nämlich von Komaris (κώμαρις, κώμαρος) abgeleitet wurde, der sehr vieldeutigen Bezeichnung eines angeblich besonders wichtigen und wirksamen Präparates, unter dem Gips, Marienglas (Selenit), Talk, Arsen, rotes Schwefelarsen (Sandarach) und noch zahlreiches andere verstanden werden kann, so daß es im gegebenen Falle meist kaum zu erraten ist, welche dieser Substanzen eigentlich in Frage kommen soll⁠[619].

Discussion

0
to join the discussion
💬
No comments yet
Be the first to share your thoughts!
✓ Link copied!
Welcome Back!
Choose your preferred login method

Don't have an account?